Unweit eines Dorfes ist ein Luchs bei Nacht unterwegs,

Luchs & Mensch

Die Anwesenheit des Luchses berührt die Interessen gleich mehrerer gesellschaftlicher Gruppen und Verbände in unserem Land. Dies sind vor allem die Jagd, die Landwirtschaft, der Forst und der Artenschutz.

Der Luchs wird von Vertretern dieser Interessensgruppen ganz unterschiedlich wahrgenommen. Dabei werden oft nur solche Teile seines Verhaltensspektrums herausgegriffen, die den eigenen Denkfiguren entsprechen.

So ist der Luchs in den Augen mancher Artenschützer ein Gesundheitspolizist, der nur kranke und schwache Beutetiere jagt und eine intakte Wildnis anzeigt. Jäger dagegen befürchten die Ausrottung des Rehwilds.
Förster sehen im Luchs ein Tier, das dazu beiträgt, den Wildverbiss zu reduzieren. Landwirte sorgen sich um ihre Nutztiere oder auch um eine mögliche Jagdpachtminderung, wenn der Luchs durch das Revier streift.

Zwischen den Stühlen

Das sind die Ängste und Ansprüche der Interessensgruppen (geschrieben 2005, aber nach wie vor noch gültig):

Interessensgruppe Ängste Ansprüche
Artenschutz illegaler Abschuss, Ausrottung Indikator für ein intaktes Ökosystem, Wildnisanzeiger, ethische Wiedergutmachung, Luchs als Werbeträger
Landwirtschaft Übergriffe auf Nutztiere, Jagdpachtminderung keine Übergriffe, Schadensersatz, Beratung
Privatjagd Ausrottung Rehwild, Überhandnahme Luchs, Erfüllung des Rehwildabschusses nicht mehr möglich bzw. zu zeitaufwändig keine Minderung der Rehwildjagd, Trophäe Luchs
Forstverwaltung Rückfall in "Wild vor Wald" - Denken keine Aushebelung des Vegetationsgutachtens, keine Einschränkung bzw. Änderung der Jagdausübung
Behörden Probleme, Kosten, politische Unzufriedenheit kostengünstiges Management, keine Probleme

Mit diesen Befürchtungen umzugehen, die widerstreitenden Nutzungsinteressen dahinter zu erkennen und gemeinschaftlich eine Lösung zu finden, gehört zum klassischen Repertoire des Wildtiermanagements.

Weil der Mensch mit seinen Nutzungsinteressen ein wesentlicher Einflussfaktor für Wildtiere und deren Lebensräume ist -- durch Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd, Fischerei, Verkehr und Freizeitnutzung -- muss Wildtiermanagement diese vielfältigen Ansprüche berücksichtigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass Wildtiere und deren Lebensräume nicht übernutzt oder gefährdete Tierarten wie der Luchs nicht noch weiter beeinträchtigt werden.

In der Definition von Wildtiermanagement: "Auf Wildtiere, deren Lebensräume sowie die Menschen so einwirken, dass spezifische wildtierbezogene Ziele erreicht werden", wird deutlich gemacht, dass Wildtiermanagement auch und eigentlich vor allem Menschenmanagement ist.

Moderner Arten- und Naturschutz ist sich dieser Zusammenhänge bewusst und steht vor der schwierigen Aufgabe den gesellschaftlichen Kontext, in dem Naturschutz stattfindet, angemessen in die Problemlösungen einzubeziehen. Ganz nach der Erkenntnis, dass Probleme mit Wildtieren meist nicht biologisch-ökologischer Natur sind, sondern in den unterschiedlichen Wertvorstellungen der Menschen begründet sind: sie sind sozioökonomischer oder politischer Natur.

In diesem Umfeld tritt Luchs Bayern e.V. für das Lebensrecht des Luchses in Bayern ein: als Vermittler zwischen den Interessengruppen und auf Grundlage von fachlich hochwertiger Information. 

 

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