
Illegale Tötungen
Nachweisliche Luchstötungen in Bayern
In den letzten 20 Jahren sind lediglich 10 Fälle illegaler Luchstötungen in Bayern bekannt geworden. Dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt, belegen die aktuellen populationsübergreifenden Erhebungen im Dreiländereck von Deutschland, Tschechien und Österreich. Bei den erwachsenen Luchsen gehen jedes Jahr rd. 20 Prozent verschollen, bei den subadulten (halbwüchsigen) Luchsen ist es sogar jedes zweite Tier. Dieser auffällig hohe Schwund ist insbesondere bei den erwachsenen Tieren nicht mit natürlichen Ursachen, wie z. B. Krankheiten oder Nahrungsmangel, zu erklären.
Der Schaden für die Population ist erheblich
Am gravierendsten ist es, wenn die ansässigen, erwachsenen Tiere betroffen sind, denn normalerweise haben sie eine hohe Überlebensrate, sorgen für Stabilität und den so wichtigen stetigen Nachwuchs in einer Population. Werden führende Weibchen getötet, ist das immer auch ein Todesurteil für die abhängigen Jungtiere, die ohne Mutter elend verhungern.

Das Foto weist auf die schwerwiegendste Gefährdung der bayerisch-böhmischen Luchspopulation hin: den illegalen Abschuss. Das Foto ist gestellt, die Luchse allerdings wurden tatsächlich gewildert. © Jaroslav Cerveny
Das regelmäßige Verschwinden der Luchse in bestimmten Gebieten und der nachfolgende Ausfall von Reproduktionen erklären die schlechte Populationsentwicklung in Bayern.
Erst 2020 wurde der Luchs in der Roten Liste Deutschlands zu „Vom Aussterben bedroht“ hochgestuft. Maßgeblich für diese alarmierende Einstufung ist die Situation in Bayern.
Nirgendwo unbehelligt
Die illegale Verfolgung von Luchsen ist kein rein bayerisches Problem, auch wenn hier eine Häufung der insgesamt in Deutschland bekannt gewordenen Fälle zu verzeichnen ist.
In der Harzer Luchspopulation, die sich über das Dreiländereck von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erstreckt, wurden bislang drei illegale Luchstötungen bekannt: in Sachsen-Anhalt eine adulte Luchsin im April 2016 bei Ballenstedt, in Thüringen ein adulter Luchs im Januar 2022 bei Sömmerda sowie ein weiterer männlicher Luchs im Juni 2023 bei Jützenbach. Ein vierter Fall einer im Jahr 2015 bei Bockelnhagen im Südharz tot aufgefundenen Luchsin blieb unklar. Ein im Jahr 2026 in Nordhessen gefundener, abgetrennter Luchskopf deutet ebenfalls auf eine illegale Tötung hin. Illegale Luchstötungen betrafen damit im Verhältnis zu den insgesamt anwesenden festgestellten Luchsen in den jeweiligen Erhebungsperioden (Sachsen-Anhalt: 11 Individuen, Thüringen: 12 Individuen) etwa 10% der anwesenden (adulten) Luchse.
Auch Baden-Württemberg war leider bereits betroffen: Bei Menzenschwand wurde im Mai 2021 ein an einem Streifschuss verendeter Luchs gefunden. Er war einer von insgesamt sieben in diesem Jahr festgestellten Luchsen in Baden-Württemberg, allesamt Zuwanderer aus der Schweiz.

Da die bayerische Luchspopulation schon am längsten besteht, ist es nicht verwunderlich, dass hier bislang die meisten illegalen Luchstötungen registriert wurden. Setzt man die bekannten illegalen Luchstötungen ins Verhältnis zu den insgesamt anwesenden Individuen, so ist es in Bayern wohl auch nicht anders als in den meisten anderen Regionen.
Die illegale Verfolgung von Luchsen ist ein europaweites Problem
Die illegale Verfolgung von Luchsen kommt überall dort vor, wo Luchse in freier Wildbahn leben. Im Grunde lebt kein Luchs unbehelligt vor menschlicher Nachstellung. Die Motive dafür sind meist niedrigster Art: Neid, Gier und Hass. Manchmal zusätzlich überlagert von zwischenmenschlichen Konflikten über den Umgang mit Wildtieren, mit der Natur im Allgemeinen oder mit tradierten Bewirtschaftungsweisen und Lebensstilen. Leidtragende solcher sozialen Konflikte sind immer unsere Wildtiere.
Alle europäischen Luchspopulationen sind konfrontiert mit illegaler Verfolgung. Das ist allerdings kein Grund, sich schulterzuckend damit abzufinden. Dafür ist der Schaden, den diese Art von Wildtierkriminalität bei unserer größten europäischen Katzenart anrichtet, zu groß. Ihr Vorkommen in nur kleinen und isolierten Beständen in Mitteleuropa sowie ihre geringe natürliche Reproduktionsrate machen Luchse höchst anfällig. Die wenigen bekannt gewordenen Fälle illegaler Tötung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Luchse massiv durch illegale Verfolgung bedroht sind.
Hinweis auf illegale Verfolgung eines Luchses?
Informieren Sie uns, wenn Ihnen illegale Luchstötungen zu Ohren gekommen sind, Sie verdächtige Aktivitäten bemerkt oder einen toten Luchs gefunden haben.
Wenn Sie Anhaltspunkte für eine illegale Verfolgung eines Luchses haben, besteht ein Anfangsverdacht, dem die Polizei nachgehen muss.
Wir nehmen Ihren Hinweis auch anonym auf.
Beachten Sie bitte, dass in diesem Fall konkrete und überprüfbare Informationen angegeben werden, etwa der Fundort des Tieres, damit die Polizei ermitteln kann.
Luchs-Nachrichten
Zwei Ausgaben der Luchs-Nachrichten beschäftigen sich mit der illegalen Tötung von Luchsen und dem ernormen Schaden, den diese Straftaten für die Population anrichten.
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