Nahrung

In Mitteleuropa ernährt sich der Luchs vor allem von  mittelgroßen Schalenwildarten wie Reh, Gämse oder Mufflon. Sie machen 70-85 % seiner Nahrung aus.

Aber auch Rotwild, Hasen, Füchse, Wildschweine, Marder, Wild- und Hauskatzen, Kleinsäuger und Vögel gehören zum Beutespektrum.

Wie man an der langen Liste sieht, erbeutet der Luchs fast alles, was er überraschen und überwältigen kann.

Im alpinen Raum sind Gämsen häufig Beute des Luchses.
Ein Rehbock steht an einem Getreidefeld.

Es wird vollständig aufgegessen

Der Luchs nutzt seine Beutetiere in der Regel vollständig. Dies bedeutet, dass beispielsweise bei einem Reh nur noch die größeren Knochen, das Fell und der Verdauungstrakt (Pansen) übrig bleiben, der Luchs also alle für ihn verwertbaren Beuteteile isst. Störungen durch Hunde oder Menschen, z. B. durch Entfernen des gerissenen Rehs, können dazu führen, dass der Luchs seinen Riss aufgeben muss und gezwungen ist, ein neues Reh zu erbeuten.

Breites Beutespektrum

Um das Beutespektrum in einem bestimmten Gebiet korrekt zu erfassen, sind Losungsanalysen das Mittel der Wahl. So zeigt sich ein breites Beutespektrum, bei dem auch kleinere Beutetiere - wenn auch in geringem Umfang - ermittelt werden können. So treten auch Wildschwein, Katze, Kleinsäuger (Mäuse) oder Vögel als Beutetiere zu Tage.

Mit der Methodik der Radiotelemetrie werden meist nur größere Beutetiere gefunden, weil sich der Luchs dort länger aufhält und so leichter geortet werden kann: Ein Reh verspeist der Luchs in fünf bis sieben Tagen, einen Hasen in zwei.

Das unten gezeigte Kuchendiagramm zeigt das per Losungsanalyse ermittelte Beutespektrum der telemetrierten Luchse. Interessanterweise fehlt bisher der Fuchs im "bayerischen" Nahrungsspektrum völlig, obwohl er auf tschechischer Seite mit 7 % in der Luchslosung vertreten ist.

Nahrungsverteilung bei Luchsen

Wehe den Unachtsamen!

Von seinem Körperbau her ist der Luchs nicht auf lange Verfolgungsjagden ausgerichtet: Lauern, Anpirschen, ein kurzer Sprint, ein weiter Satz - das ist die für den Luchs typische Jagdweise.

Eine Hetzjagd wie Hund oder Wolf steht der Luchs nicht durch, für eine erfolgreiche Jagd ist er als Lauer- und Pirschjäger auf den Überraschungseffekt angewiesen. Nach einem missglückten Jagdversuch muss der Luchs deshalb großräumig die Umgebung wechseln, um wieder auf unvorsichtiges Wild zu treffen. Diese Jagdtaktik - auch als Intervalljagd bezeichnet - erklärt auch die enorme Reviergröße und auch, dass ein Luchsrevier trotz eines sehr guten Beuteangebots nicht beliebig klein werden kann.

Getötetes Mufflung

Das Mufflon ist als Korsisches Wildschaf offensichtlich nicht an große Prädatoren angepasst.

In den Gebieten, wo das Mufflon für die menschliche Bejagung ausgesetzt wurde, z.B. im vorderen Bayerischen Wald, ist es deshalb besonders anfällig für Luchsübergriffe.

Gesundheitspolizist Luchs?

Oft wird dem Luchs zugeschrieben, dass er nur kranke, schwache, junge und alte Tiere erbeutet. Wissenschaftliche Studien können dies nicht belegen. Als Überraschungsjäger selektiert der Luchs weniger auf Gesundheit und Kondition, sondern viel mehr auf Aufmerksamkeit. Bei unvorsichtigen Beutetieren hat es der Luchs relativ leicht, wachsame Tiere lassen dagegen den Luchs gar nicht so nah an sich heran, dass ein Angriff gelingen könnte.

Hat beispielsweise ein Reh den heranpirschenden Luchs entdeckt, kann es sein, dass es sogar auf ihn zugeht und ihm damit zeigt, dass es ihn gesehen haben und eine weitere Jagd zwecklos ist.

14 Tage im Leben eines Luchses

So sehen zwei Wochen im Leben eines Luchses aus.

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