Sozialverhalten
Der Luchs ist eine einzelgängerische Katzenart, d.h. Männchen und Weibchen leben im gleichen Gebiet, gehen aber getrennte Wege. Trotz dieser einzelgängerischen Lebensweise bewegt sich der Luchs in einem Sozialgefüge, das neben der Grundeinheit des Mutter-Jungtier-Verbandes, der sog. "Luchsfamilie", auch zeitweisen Kontakt zwischen den Geschlechtern und auch regelmäßiges Informieren über den Status der Nachbarn beinhaltet.
Die "Ampeln" der Luchse
Kater und Katzen kommunizieren über Lautäußerungen und Duftmarken. Die Duftmarken aus Urin werden an auffälligen Punkten im Revier oder an dessen Peripherie gesetzt. Häufig markiert werden z. B. Felsbereiche, Wurzelteller oder Holzstöße an Wegen. Sie dienen sowohl der innerartlichen Kommunikation zwischen den Geschlechtern als auch der Revierabgrenzung gegenüber benachbarten, gleichgeschlechtlichen Luchsen.
Frische Harnmarken bedeuten, dass das Gebiet für andere gleichgeschlechtliche Tiere tabu ist, die Ampel quasi auf Rot steht. Alte Harnmarken oder aber Objekte ohne Harnmarken dagegen bedeuten, dass gerade kein Luchs in dem Revierteil unterwegs ist, die Ampel also auf Grün steht. In der Paarungszeit dreht sich diese Funktion der Harnmarken genau ins Gegenteil um. Frische Markierungen des Geschlechtspartners wirken jetzt nicht mehr abweisend, sondern anziehend.
Fortpflanzung und Jungenaufzucht
Die Paarungszeit liegt zwischen Mitte Februar und Mitte April. Nach rund 72 Tagen werden Ende Mai/Anfang Juni im Mittel zwei Jungtiere (Bandbreite: 1–5) an einem schwer zugänglichen und witterungsgeschützten Wurfplatz geboren.
Eine Luchsin zieht ihre Jungen alleine auf und betreut diese bis in den nächsten Spätwinter hinein. Jungluchse werden bis zum sechsten Lebensmonat gesäugt.
Ab dem dritten Lebensmonat nehmen die Jungen zusätzlich Fleisch auf. Ab diesem Zeitpunkt sind sie kräftig genug, ihrer Mutter über kurze Strecken bis zum gerissenen Beutetier zu folgen.
Junge Luchse haben's schwer
Im Alter von 9 bis 10 Monaten müssen die Halbwüchsigen das mütterliche Wohngebiet verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Die natürliche Sterblichkeit bei jungen und halbwüchsigen Luchsen liegt bei rd. 20 Prozent. Bis zur Etablierung eines eigenen Revieres (i.d.R. im Alter von zwei Jahren) schafft es aber nur eines von vier Jungen, da neben natürlichen Todesursachen wie Verhungern oder Krankheiten, menschlich bedingte Ursachen wie Verkehrsunfälle oder illegale Tötungen zu Buche schlagen.
Markierverhalten im Video
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