
Ist der Luchs Luxus?
Ist der Luchs in Zeiten knapper Haushaltskassen nicht ein entbehrlicher Luxus? Gibt es denn nichts Wichtigeres zu tun als sich um eine große Katze zu kümmern, die weltweit nicht einmal vom Aussterben bedroht ist? Diese Fragen mögen sich so manche stellen.
Neben seinem festen Platz im Ökosystem und einer ethischen Verpflichtung zum Schutz unserer Mitgeschöpfe sind wir jedoch auch durch diverse nationale und internationale Gesetze und Verordnungen dazu angehalten, dem Luchs dauerhaft einen Platz in Deutschland zu gewähren.
Schutzgesetze und Erhaltungskonzepte
Zwar ist der rechtliche Status des Luchses klar geregelt, aber kein Gesetz und keine Verordnung hilft, wenn Rechstvorschriften nicht umgesetzt, durchgesetzt und bei Missachtung sanktioniert werden. Auch Aktionspläne oder Managementpläne sind nur etwas wert, wenn sie umgesetzt werden.
Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie stellt auf Ebene der Europäischen Union (EU) eine der wichtigsten Grundlagen dar. Ihre Bestimmungen müssen im Bundesnaturschutzgesetz umgesetzt werden und kommen dadurch erst zur Geltung.
Die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), in der der Luchs als streng und besonders geschützte Art aufgeführt ist, verfolgt das Ziel für alle Lebensräume und Arten von gemeinschaftlichem Interesse einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen und zu erhalten.
Günstiger Erhaltungszustand
Der Erhaltungszustand wird als "günstig" betrachtet, wenn ...
- aufgrund der Daten über die Populationsdynamik der Art anzunehmen ist, daß diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig weiterhin bilden wird, und
- das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art weder abnimmt noch in absehbarer Zeit vermutlich abnehmen wird und
- ein genügend großer Lebensraum vorhanden ist und wahrscheinlich weiterhin vorhanden sein wird, um langfristig ein Überleben der Populationen dieser Art zu sichern.
Wie können wir diese hochgesteckten Ziele erreichen?
Wo der Luchs heute schon lebt, müssen ihn die Menschen akzeptieren und tolerieren. Nur so kann sich eine Luchspopulation dauerhaft etablieren oder sogar ausbreiten.
Eine Ausbreitung findet dann statt, wenn abwandernde Jungtiere nur noch am Populationsrand freie Reviere finden und sich dort niederlassen.
Bei der Suche nach geeigneten Lebensräumen müssen junge Luchse viele Barrieren wie zum Beispiel Autobahnen überwinden. Diese Barrieren durchlässiger zu machen, beispielsweise mit Hilfe deckungsreicher Unterführungen oder Grünbrücken, ist eine wichtige zukünftige Aufgabe, um potentiell geeignete Lebensräume zu vernetzen.
Dies gilt sowohl für Bayern als auch für die Luchsvorkommen anderer Länder.
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