
Schutzkonzepte
Aufgrund der hohen Raumansprüche des Luchses sind für eine langfristige Bestandssicherung großräumige und grenzüberschreitende Schutzbemühungen notwendig. Um der genetischen Verarmung vorzubeugen, muss eine Vielzahl von geeigneten Lebensräumen miteinander vernetzt werden, so dass eine ausreichend große Zahl an Luchsen miteinander in Kontakt steht und ein gemeinsamer Genpool gewährleistet ist.
Die Eckpfeiler des Luchsschutzes
Für Mitteleuropa existieren drei Konzepte, wie eine derartige Vernetzung aussehen kann. Diese so genannten Metapopulationskonzepte behandeln Ostbayern und Böhmen bis hin zu den Karpaten, den gesamten Alpenraum sowie die deutschen Mittelgebirge.
Um diese Konzepte umzusetzen, ist die frühzeitige Abstimmung auf nationaler und internationaler Ebene sehr wichtig. Dazu sind sowohl nationale Strategien bzw. Fachkonzepte als auch populationsbezogene und damit internationale Managementansätze notwendig.
Bayern trägt große Verantwortung
Dabei trägt Bayern eine große Verantwortung für die langfristige Sicherung des Luchsbestandes in Mitteleuropa. Der bayerisch-böhmische Grenzraum dient als unverzichtbares Bindeglied zwischen den Karpaten und den deutschen Mittelgebirgen. Und der bayerische Alpenraum bildet einen Teil der Brücke zwischen den Luchspopulationen der Schweiz und Slowenien.

SCALP
SCALP steht für Status and Conservation of the Alpine Lynx Population.
Schon 1993 haben sich Wissenschaftler aus den Alpenländern zu der sog. SCALP-Gruppe zusammengeschlossen, um ein alpenweites Konzept zur Erhaltung des Luchses zu erarbeiten und umzusetzen. Die Zielsetzung lautet, im gesamten Alpenbogen eine lebensfähige Luchspopulation wieder herzustellen und ein dauerhaftes Miteinander von Mensch und Luchs zu garantieren.
Konkret geht es darum, die Luchspopulationen Frankreichs und der Schweiz dauerhaft mit den Luchsvorkommen im Dreiländereck Slowenien-Italien-Österreich sowie den österreichischen Kalkalpen zu vernetzen.
Die SCALP-Gruppe hat zudem Monitoringstandards entwickelt, die es erlauben, die erhobenen Daten aus verschiedenen Ländern zu vergleichen.
Seit dem Jahr 2009 bilden die SCALP-Kategorien die Grundlage für das Monitoring von Luchs, Wolf und Bär in ganz Deutschland.
Seit dem Jahr 2019 werden in den von der SCALP-Gruppe herausgegebenen Luchsverbreitungskarten im Alpenraum, auch benachbarte Luchsvorkommen berücksichtigt, z.B. Dinaren, Vogesen, Pfälzerwald oder Schwarzwald.
CELTIC
CELTIC steht für Conservation of the Eurasian Lynx: Tradeoffs and International Cooperation.
Die Vision von CELTIC ist die Schaffung einer Verbindung zwischen der Bayerisch-Böhmisch-Österreichischen (BBA) - Population und der autochthonen Population in den Karpaten: über einen nördlichen und südlichen Ring von (Trittstein-) Vorkommen entlang des Oberpfälzer Waldes, Fichtelgebirges, Erzgebirges, Elbsandsteingebirges, Riesengebirges, Altvatergebirges und der Beskiden bzw. des Mährischen Stufenlandes im Süden.
Luchs-Metapopulation Oberrhein
Die Luchs-Metapopulation Oberrhein soll sich vom Jura über die Vogesen bis zum Pfälzerwald und dem Schwarzwald inklusive angrenzender Regionen erstrecken.
Deutschland
Dem Luchs bieten sich in Deutschland vor allem die waldreichen Mittelgebirge als Lebensraum an. Eine natürliche Besiedelung könnte über den Böhmerwald und den nordostbayerischen Raum, über den Schwarzwald und den Pfälzer Wald erfolgen. Auch die bayerischen Alpen sind grundsätzlich von der Schweiz und Slowenien für den Luchs erreichbar.
Luchse sind jedoch schlechte Kolonisierer neuer Lebensräume, auch wenn einzelne Kater durchaus weitere Strecken (bis zu 300 Kilometer) zurücklegen können. Wiederansiedlungsprojekte in Thüringen, Baden-Württemberg und Sachsen haben es sich deshalb mittlerweile zur Aufgabe gemacht, den Luchs in weitere seiner angestammten Lebensräume in Deutschland zurückzubringen.
Die deutschen Wiederansiedlungsprojekte werden über das Linking-Lynx-Netzwerk unterstützt und fachlich begleitet. Die hier zusammenarbeitenden Fachleute haben genetische, veterinärmedizinische und ethologische Protokolle für den Umgang mit auszuwildernden Luchsen entwickelt. Ziel ist es, eine lebensfähige Metapopulation des Karpatenluchses in Mitteleuropa zu schaffen. Mit der zentralen Lage Deutschlands können die deutschen Wiederansiedlunginitiativen eine wichtige Rolle für den langfristigen Erhalt des Luchses in Mitteleuropa spielen.
Die Rückkehr der Luchse nach Mitteleuropa
Ausgabe 19 der Luchs-Nachrichten (S. 5-7) geht auf die aktuellen Wiederansiedlungsprojekte ein.
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