Ein Luchs balanciert auf einem Baumstamm.

Lebensraumverlust und Verkehr

Luchse benötigen als Dauerlebensraum ausgedehnte, zusammenhängende Waldgebiete. Im Bayerisch-Böhmisch-Österreichischen Grenzgebiet finden sie deshalb noch gute Lebensbedingungen. Jedoch lauern auch hier Gefahren und Risiken, die im Blick behalten werden müssen, damit der Lebensraum für die Luchse in seiner Qualität, Ausdehnung und Verbundenheit erhalten bleibt.

Verkehrsmortalität ist die zweitwichtigste Gefährdungsursache

Luchse sind hochmobil, leben in großen Revieren und legen darin täglich viele Kilometer zurück. Dabei müssen sie oft viele Straßen überqueren. Je dichter das Straßennetz und je schneller gefahren wird, desto höher ist aber das Risiko für den Luchs überfahren zu werden.

Dieses Risiko wird sogar noch an Bedeutung gewinnen, denn der Straßenverkehr nimmt stetig zu und viele Verkehrswege werden neu oder ausgebaut. Dabei sind weniger befahrene Straßen, wie Landes- oder Kreisstraßen, für den Luchs gefährlicher als stark befahrene Straßen (vierspurige Bundesstraßen, Autobahnen), weil hier der kontinuierliche Verkehrsstrom wie eine Barriere wirkt: der Luchs schreckt vor einer Überquerung eher zurück. Dies rettet zwar zunächst sein Leben, aber verhindert, dass er sich neue Lebensräume erschließen kann.

Ziel: Reduzierung der Verkehrsmortalität durch Maßnahmen wie Bewusstseinsbildung, Geschwindigkeitsbegrenzung an neuralgischen Stellen oder der Bau von Querungshilfen.

Behinderung der Ausbreitung

Verkehrsachsen, Siedlungsgebiete oder große strukturarme landwirtschaftliche Flächen verkleinern, zerteilen und isolieren oft großräumige Lebensräume voneinander, wodurch die Abwanderung der Luchse und damit ihre Ausbreitung behindert wird.

Subadulte Luchse legen auf der Suche nach einem eigenen Revier lange Strecken zurück: Die Abwanderungsdistanzen liegen bei männlichen Luchsen bei bis zu 200 Kilometer, bei weiblichen Luchsen bei bis zu 80 Kilometer. Luftlinie wohlgemerkt!

Solche weiten Wanderungen sind aber nur möglich, wenn Straßen, Siedlungsgebiete oder große strukturarme landwirtschaftliche Flächen die Ausbreitung der Luchse nicht behindern oder sogar unmöglich machen.

Diese durch den Menschen geschaffene Infrastruktur verkleinert und zerteilt großräumige Lebensräume und isoliert sie voneinander, so dass nur noch kleine Habitatinseln übrigbleiben, in denen Luchse nicht langfristig existieren können. Dieser Prozess der Zergliederung wird Lebensraumzerschneidung und -fragmentierung genannt. Die Folge sind eingeschränkte Wanderbewegungen und isolierte Teilpopulationen ohne demographischen und genetischen Austausch.

Ziel: Wiedervernetzung von Luchslebensräumen durch Erhalt oder Wiederherstellung von Wanderkorridoren.

Verlust an kleinräumigen Rückzugsgebieten

Obwohl die Territorien von Luchsen sehr groß sind, nutzen die Tiere ihr Wohngebiet nicht gleichmäßig, sondern haben je nach Lebensraumausstattung mehrere Kernzonen, die sie häufiger als andere Gebiete in ihrem Territorium nutzen. In diesen Kernzonen liegen die Tageseinstände und Jungenaufzuchtgebiete, und sie sind meist gekennzeichnet durch steile, und damit oft felsige Bereiche, die unzugänglich sind und gute Deckung bieten.

Insbesondere für die Jungenaufzucht sucht sich ein Luchsweibchen solche unzugänglichen Bereiche. Verstecke unter Wurzeltellern oder in Felshöhlen bieten dabei Schutz vor Witterung sowie vor Fressfeinden, denen Jungluchse anfangs ausgesetzt sind. Solche Nischen finden sich in reich strukturierten Wäldern und in felsigen Bereichen. Für den Wurfplatz hat ein Luchsweibchen also erhöhte Ansprüche, auch weil sie in der Anfangsphase der Jungenaufzucht eine Kombination aus unzugänglichem Rückzugsbereich und guten Jagdgründen benötigt. Dies ist insbesondere im Zeitraum Mai-August der Fall, wenn die Jungen noch zu klein sind, um größere Wanderungen zu unternehmen. Eine Störung in dieser Zeit, die ein Wegtragen der Jungen auslösen kann, ist sehr kritisch und kann den Tod der Jungtiere bedeuten.

Wegen ihres großen Territoriums können Luchse in der Regel menschlichen Aktivitäten ausweichen. Auch sind sie recht tolerant gegenüber menschlicher Anwesenheit: Luchse halten sich durchaus in der Nähe zu Ortschaften, Straßen oder Wanderwegen auf, da Menschen in der Regel die geschaffene Infrastruktur nutzen, z.B. Wanderwege oder Loipen.

Ein Nebeneinander von Luchs und Mensch ist daher in den meisten Fällen sehr gut möglich. Jedoch gibt es beim Luchs Toleranzgrenzen, die für das Überleben des Luchses in der Kulturlandschaft als bedeutend angesehen werden müssen. Sie hängen mit der menschlichen Frequentierung und mit der Art und Weise der menschlich verursachten Störung zusammen.

Menschliche Aktivitäten in solchen sensiblen Zonen und zur Zeit der Jungenaufzucht können also sehr problematisch werden. Deswegen ist es wichtig, solche Zonen im Lebensraum eines Luchses zu kennen, sie zu erhalten oder zu renaturieren, d. h. beispielsweise durch naturnahen Waldbau den Strukturreichtum zu fördern.

Ziel: Erhalt von sensiblen Rückzugsgebieten für Tageslager und Jungenaufzucht.

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