Beutewahl
Im Verlauf der radiotelemetrischen Untersuchungen wurden insgesamt 66 Beutetiere analysiert. Dabei handelte es sich um 52 Rehe, 6 Hasen, 1 Rotwild und 7 Damtiere aus Gehegen.
Die gefundenen Beutetiere wurden zum größten Teil vollständig genutzt. Dies bedeutet, dass nur noch die größeren Knochen, das Fell und der Verdauungstrakt übrig geblieben sind, der Luchs also alle für ihn verwertbaren Beuteteile gegessen hat. Warum die besenderten Luchse einige Risse frühzeitig aufgaben, hat verschiedene Gründe. Sie werden vor allem durch Hunde oder Menschen gestört, die Risse wurden auch manchmal weggenommen.
Welche Rehe erbeutet der Luchs?
Nach den bisherigen Ergebnissen erbeuteten Luchse mehr weibliche und junge Rehe. Allerdings ist die tatsächliche Geschlechterverteilung und Altersstruktur des Rehwilds im Untersuchungsgebiet nicht bekannt.
Erbeutete Rehe (n=52)
Erbeutete Rehe (n=52)
Losungsanalysen
Mit der Methodik der Radiotelemetrie werden eher größere Beutetiere dokumentiert. Einfach deshalb, weil der Luchs an einem Reh länger frisst als an einer Maus oder einem Hasen und er deshalb an größerer Beute leichter geortet werden kann.

Um dies auszugleichen, wurden zusätzlich auch Losungen gesammelt. Die Analyse dieser Proben übernahmen die tschech-ischen Kollegen in Zusammenarbeit mit der Universität Prag.
Breites Beutespektrum
Die Auswertungen zeigen, dass das Beutespektrum der Luchses breiter ist als es die Telemetrie zeigt.
Hauskatze, Wildschwein, Nager und Vögel kommen als Beutetiere hinzu, wenn auch in geringem Umfang.
Interessanterweise fehlt bisher der Fuchs im "bayerischen" Nahrungsspektrum völlig, obwohl er auf tschechischer Seite mit 7 % in der Luchslosung vertreten ist.
Junge Luchse haben's schwer
Trotz der geringen Stichprobenzahl lohnt sich ein Vergleich zwischen den Losungsanalysen der adulten Luchse (Andra, Beran, Don) und der subadulten Luchsin Chica. Es fällt auf, dass Chica deutlich weniger Rehwild erbeutet hat und sich verstärkt auf kleinere Beutetiere wie Hasen und Hauskatzen konzentrierte. Dies erscheint logisch, da Chica wohl allein schon aus Gewichtsgründen (beim Fang Ende Januar war sie nur 12 kg schwer) Schwierigkeiten mit der Erbeutung von größeren Beutetieren gehabt haben dürfte. Die radiotelemetrische Überwachung bei ihrer Abwanderung bestätigt dies: so wird das erste von ihr überwältigte Reh erst Ende April am Haidstein gefunden. Davor hat ihre unstete Raumnutzung nicht auf die Erbeutung größerer Tiere hingedeutet.
