Radiotelemetrie

Luchse bevorzugen deckungsreiches Gelände, sind dämmerungs- und nachtaktiv und deshalb kaum zu beobachten. Die Telemetrie ermöglicht es aber, einiges über ihre Lebensweise herauszufinden. Der Vorteil dabei ist, dass - bis auf den Fang der Tiere - Störungen minimiert werden können, da über die "elektronische Leine" jederzeit der Standort der sendermarkierten Tiere ermittelt werden kann.

Vorgehensweise

An einem vom Luchs gerissenen Beutetier werden Schlingfallen gestelllt und getarnt.

An einem toten Reh werden Schlingfallen aufgestellt.
Nach dem Aufstellen werden die Fallen getarnt.

Geht der Luchs in die Falle, wird er betäubt und untersucht. Dann bekommt er einen Halsbandsender umgelegt.

Luchs in einem Netz
Dem gefangenen Luchs wird ein Sender umgelegt.

Wenn der Luchs die Betäubung ausgeschlafen hat, darf er wieder seiner eigenen Wege gehen.

Nach der Besenderung wird der Luchs freigelassen.

Der Halsbandsender sendet gleich-förmige Funkwellen aus, die mit Hilfe einer Richtantenne und eines speziellen Empfangsgerätes ge-ortet werden können. Die Richtung, aus der das stärkste Signal kommt, wird mit einem Kompass festgehalten und auf eine topo-graphische Karte eingetragen.

Mit einer Antenne wird die Richtung gepeilt.
Verbindet man die Linien, lässt sich der Aufenthaltsort feststellen.

Wiederholt man diese Ortung von mehreren verschiedenen Stand-orten aus, kann man den Aufent-haltsort des sendermarkierten Tieres als sogenannte Kreuzpeilung auch über große Entfern-ungen feststellen. Die Peilungen erfolgen meistens von Straßen aus; im Gelände werden Forst- und Wanderwege nicht verlassen. 

Um Störungen der Tiere zu vermeiden, wird für eine Nachsuche immer solange gewartet, bis der Luchs das Gebiet wieder verlassen hat. Dann wird nach Hinterlassenschaften wie Beutereste, Spuren, Losung oder Haaren gesucht.

Seit einigen Jahren gibt es auch die so genannte satellitengestützte GPS-Telemetrie. GPS steht für 'Global Positioning System'. Die Positionsbestimmung erfolgt mit Hilfe von Satelliten. Nach einem festgelegten Intervall werden die Positionen von dem integrierten GSM-Modem im Halsband über Mobilfunk direkt an den PC des Forschenden gesendet. Feldarbeit im herkömmlichen Sinne findet also kaum noch statt.

Das hat zwar Effizienzvorteile, aber auch den großen Nachteil, dass die Positionsbestimmung zu einem abstrakten Punkt auf der Landkarte verkommt. Abhanden geht dabei die so wichtige Felderfahrung: Was macht das Tier an diesem Ort? Warum hält es sich dort auf? Welche anderen Tiere oder Ereignisse sind noch zu bemerken? Was passiert in der Umgebung? usw.